125 Jahre Martin-Luther-Kirche

Historisches Foto der Martin-Luther-Kirche
Bildrechte privat

„Unter Gottes gnädiger Fürsorge ist es … geglückt, seinen sehnlichsten Wunsch nach einer eigenen würdigen Stätte Gottes nunmehr erfüllt zu haben! Ein schönes schmuckes Kirchlein, der Stolz und die Zierde nicht nur allein der kleinen evangelischen, sondern der ganzen Spiegelauer Gemeinde, ist … entstanden um weithin zu verkünden, dass auch hier der christliche Glaube festverwurzelt ist!“

Mit diesen Worten verkündete am 1. Oktober 1901 Jean Porst, der Geschäftsführer der Holzstoff- und Pappenfabrik Wildberger in seiner Funktion als Vorsitzender des „Evangelischen Vereins Spiegelau“ die Fertigstellung der ersten Spiegelauer Kirche. Es ist die evangelische Martin-Luther Kirche. Nur fünf Monate hat es von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung gebraucht, Für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar. Dabei waren die Widerstände von allen Seiten groß. Aber der Durchsetzungswille der damaligen evangelischen Unternehmer, die den Bau vorangetrieben hatten, war nicht auszubremsen.

Die Mehrzahl der damaligen Spiegelauer sind zwar katholisch, aber der damalige zuständige katholische Pfarrer Ranzinger von Oberkreuzberg wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Schaffung einer Seelsorgestelle Spiegelau und die Errichtung einer eigenen Kirche. Es soll noch 15 Jahre dauern, bis auch die katholischen Spiegelauer eine eigene Kirche haben.

Es sind vor allem Besitzer, Arbeiter und Angestellte zweier damals bedeutender Industriebetriebe in Spiegelau, der Holzwarenfabrik Petzold und der Holzstoff- und Pappenfabrik Wildberger, die 1900 den “Evangelischen Verein Spiegelau” gründen. Dieser Verein setzt in kürzester Zeit die Pläne für den Bau einer evangelisch-lutherischen Kirche in die Realität um. Das kleine Kirchlein war immer “in Betrieb” und steht auch jetzt noch allen Gläubigen und Interessierten offen.

Hatten es die Evangelischen in Spiegelau zur Zeit des Kirchenbaus noch schwer mit der katholischen Geistlichkeit und auch mit den Vorurteilen über die „ungläubigen Evangelen“ in der Bevölkerung, so änderte sich das mit der Zeit. Heute gehört die Ökumene zum Alltag der katholischen und evangelischen Christen. Während der Generalsanierung der Martin-Luther-Kirche feierten die „Evangelischen“ sogar in der vom damaligen Pfarrer Gerstl angebotenen „Werktagskapelle“ ihre Gottesdienste. Heute bieten Diakonin Gabi Neumann-Beiler und Pfarrer Tobias Keilhofer in beiden Kirchen die unterschiedlichsten gemeinsamen ökumenischen Veranstaltungen an.

Mit einem Jubiläumsgottesdienst am 31. Oktober 2026 um 17.00 Uhr feiert die Gemeinde 125 Jahre Martin-Luther-Kirche in Spiegelau. Für den musikalischen Rahmen sorgen: Michael Dietz an der Orgel, Margarita und Karolina Wolf mit Violine und Gesang.

Mehr über die Martin-Luther-Kirche findet man in dem zur 100-Jahr-Feier herausgegebenen Büchlein „Mit Gott – Geistliche Heimat im Bayerischen Wald“, das man auch unter www.diakonin.info zum Anschauen und herunterladen finden kann.

Text: Hermann Beiler, Foto: privat