400 Jahre Glaubensmigration nach Ortenburg

Evangelische Glaubensflüchtlinge auf der Flucht
Bildrechte privat

Eine Sonderausstellung zur “Evangelischen Migrationsgeschichte“ ist am Ostermontag, 6. April in der Kapelle auf Schloss Ortenburg im Rahmen eines Gottesdienstes eröffnet worden. Zwölf protestantische Museen und Institutionen in sechs europäischen Ländern haben sich vor drei Jahren zu einem Ausstellungsprojekt zusammengefunden, um „Evangelische Migrationsgeschichte(n)“ aus fünf Jahrhunderten zu erzählen. 

Zum Fluchtgeschehen aus Glaubensgründen und in evangelischem Kontext gibt es in der Geschichte, in Europa und Übersee viele Beispiele, an die auf mehreren Rollups erinnert wird. Auch Ortenburg hat jetzt seinen Platz in dieser Wanderausstellung. Vor 400 Jahren kamen bekanntlich österreichische Glaubensflüchtlinge, erhielten von Graf Casimir Land zugewiesen und das Recht sich in der Nähe des Schlosses anzusiedeln. Die neuen Ortsteile Vorder- und Hinterhainberg wurden so zur bayerischen Wurzel von heute als alteingesessen geltenden „Flüchtlingsfamilien“. 

Unter der Überschrift „Glauben.Flucht.Neubeginn.“  werden Lebensgeschichten von protestantischen Migrantinnen und Migranten aus fünf Jahrhunderten – von Poitou bis in die Karpaten veranschaulicht. Erzählt werden Geschichten unterschiedlichster protestantischer Personen von großen reformatorischen Persönlichkeiten bis hin zu Flüchtlingen, von denen kaum mehr als der Name bekannt ist.

Im Begleitband zur Ausstellung gibt es ein Geleitwort vom ehemaligen Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Er schlägt den Bogen in die Jetztzeit, wenn er schreibt: „Bilder von Menschen auf der Flucht gehen unter die Haut“ und erinnert daran: „Die biblische Kultur basiert auf einer Ethik, die in einer Migrationsbewegung entstand“. 

In ihrer Predigt „vom leeren Grab“ formulierte Pfarrerin Sabine Hofer den in diesen Tagen häufig zu hörenden Satz: „Die Welt ist nicht mehr, wie sie war.“ Damit beklage man weltweite Katastrophen, Kriege, Bedrohungen und Angst vor der Zukunft.  Auch vor dem leeren Grab Jesu hätten die erschütterten Trauernden das Gefühl gehabt: Die Welt ist nicht mehr, wie sie war. Und Ostern vor 400 Jahren dürften Glaubensflüchtlinge in Ortenburg ihr ganz eigenes Ostererlebnis gehabt haben. Mancher habe vielleicht lange gezweifelt, ob die Flucht die richtige Entscheidung war, andere hätten so für ihren Glauben geeifert, dass sie sich gar nichts anderes vorstellen konnten. 

Dr. Thomas Greif, Historiker, und Leiter des Diakoniemuseums Rummelsberg hat die Ausstellung kuratiert. Darüber und über das Zustandekommen der Ausstellung gab es von ihm wichtige Hintergrundinformationen. Die Sonderausstellung in der Schlosskapelle gibt es noch bis zum 3. Mai. Öffnungszeiten: 6. – 12.April:  Di.-So.: 10 – 13 Uhr I 14 – 17 Uhr / 13. April bis 3. Mai: Di., Fr., Sa., So.: 10-13 Uhr I 14 – 17 Uhr.

Text und Foto: Klaus Engel