Der entscheidende Unterschied

Bedford-Strohm, Susanne Synek, Dekan Wilde und Diakon Baldine vor der Stadtpfarrkirche
Bildrechte Dekanat/Mauch

Einen ökumenischen Gottesdienst feierten am Sonntag, 1. November Altbischof Heinrich Bedford-Strohm, Markus Baldini, Diakon der katholischen Kirche, Dekan Jochen Wilde und Susanne Synek von Amnesty International in der Stadtpfarrkirche St. Matthäus in Passau. Das Thema Barmherzigkeit und Vergebung stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes und knüpfte damit thematisch an die Kanzelrede von Bedford-Strohm am Vortag an. Der ökumenische Gottesdienst wurde von Amnesty International angeregt. Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz am E-Piano und Heike Schlierf an der Querflöte gestalteten den Gottesdienst musikalisch mit Werken französischer Komponisten. Auf dem Titelfoto: (v.r.n.l.) Altbischof Heinrich Bedford-Strohm, Susanne Synek, Dekan Jochen Wilde und Diakon Markus Baldini  bei Verabschiedung und kurzen Gespräche nach dem Gottesdienst vor der Stadtpfarrkirche.

„In diesem Gottesdienst erinnern wir uns an Freiheit, Gerechtigkeit und die Würde des Menschen“ sagte Dekan Wilde bei seiner Einstimmung in den Gottesdienst. Wo die Würde des Menschen mit Füßen getreten werde, überall dort werde das Antlitz Gottes verletzt.

Starke Gefühle wie Empörung, Genugtuung, aber auch des Erschreckens habe er beim Lesen des Gleichnisses vom hartherzigen Knecht, bekannte Altbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt. Denn der Knecht erfährt Erbarmen und ist selbst erbarmungslos gegenüber anderen, seine Hartherzigkeit wird jedoch bestraft. In diesem Gleichnis aus der Bibel gehe es um „die schrecklichen Folgen der Vergesslichkeit des Menschen“.

Bedford-Strohm am Pult der Stadtpfarrkirche
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Der ehemalige Landesbischof und jetzige Vorsitzende des Weltkirchenrates Heinrich Bedford-Strohm bei der Predigt in der Stadtpfarrkirche.

Das Gleichnis sei jedoch ein Augenöffner, um den Segen, die Güte und Barmherzigkeit Gottes den Menschen bewusst zu machen. Diese Barmherzigkeits-Erfahrung werde oft für selbstverständlich, als ein einzuforderndes Recht gehalten. Dabei sei der Mensch vielfach im Leben, zum Beispiel als Kind oder bei wirtschaftlichem Erfolg auf die Güte Gottes angewiesen. Bedford-Strohm machte in seiner Predigt deutlich, „dass ihr keine ‚self-made-men‘ seid, sondern ‚God-made-men an -women‘, von Gott geschaffene Menschen.“ Es sei Gottes Barmherzigkeit, die den entscheidenden Unterschied ausmache. In der gesamten christlichen Ethik gehe es darum, die Menschen an ihre Angewiesenheit auf Güte und Barmherzigkeit zu erinnern, besonders im Umgang mit dem Nächsten.

„Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“ sei die Goldene Regel aus dem Munde Jesu und zusammen mit dem Gebot der Liebe eine große Zusammenfassung der gesamten christlichen Ethik. Würden wir diese einfachen Regeln befolgen, ist Bedford-Strohm überzeugt, wäre die Welt ein besserer Ort. Sie wären Sprengstoff, und zwar keiner der tötet, sondern ein ungerechtes Weltwirtschaftssystem umkrempelt und in der die Sprache der Rache und Vergeltung nicht zu Kriegen und Kämpfen mit unzähligen Opfern führe. Das Alte werde überwunden und sei zugleich der Keim für etwas Neues: für eine Welt, mit Gerechtigkeit, Liebe, Vergebung und Versöhnung. „Gottes Barmherzigkeit macht den entscheidenden Unterschied!“

Im Anschluss lud die Gemeinde St. Matthäus zum Kirchenkaffee mit vorweihnachtlichem Gebäck ins Evangelische Zentrum ein.
Text und Fotos: Hubert Mauch