Zu einer Tagung mit dem Thema „(Rechts)Extremistischen Äußerungen im Unterricht und der Kirchengemeinde begegnen“ luden die Religionspädagogische Arbeitsgemeinschaft und der Religionspädagogische Arbeitskreis im evangelischen Dekanatsbezirk Passau am Montag, 20. April ins Evangelische Zentrum Passau ein. Als Referent konnte Martin Becher gewonnen werden. Er ist der Leiter der „Fachstelle Demokratie und gesellschaftliches Miteinander“ der bayerischen Landeskirche. Foto: Seminarrektor Christian Lessig (li) und Pfarrer Dr. Jonathan Steensen (re) hatten zur Tagung der Religionspädagog:innen ins Evangelische Zentrum eingeladen. Sie nehmen den Referenten Martin Becher in ihre Mitte.
Bei Jugendlichen ist es Trend, rechts bis rechtsextrem zu sein. Religionslehrer:innen beobachten das immer häufiger und fragen sich: Wie gehe ich damit um? Vor allem, wenn gemäßigtere Schüler:innen ausgegrenzt werden.
Wer über diesen Trend redet, muss laut Martin Becher auf die AfD schauen. Über die sozialen Medien schaffe es die einst konservativ-eurokritische Partei, besonders den männlichen Teil der Jugend zu erreichen. Becher bedauert, dass sich diese Partei so verändert hat. Sie werde heute durch den "völkischen Flügel" dominiert. Alte und neue Nazis seien tonangebend und sie sei zu einem Sammelbecken rechtsradikaler Kleinstgruppen geworden. Markante Sprüche machten sie erfolgreich. Sie betreibe Symbolpolitik statt Sachpolitik. Ihr gehe es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern die Demokratie vorzuführen. Über Wut und Stimmungen versuche sie Wähler zu gewinnen. Vereinfachungen und Schwarz-Weiß-Denken seien ihre Mittel. Während konservative Menschen aus Verantwortung reagieren, sei die AfD „organisierte Verantwortungslosigkeit“, sagte Referent Martin Becher deutlich.
Lehrer:innen sind verpflichtet, sich für die Demokratie und Menschenwürde einzusetzen. So steht es in unserer Verfassung. Sie dürfen deshalb beim Zeigen des Hitlergrußes auf dem Schulhof auch nicht einfach wegschauen.
Der Versuch der AfD, die Kirchen zu unterwandern und für ihre Agenda zu benutzen, sei gescheitert. Menschenfeindlichkeit, völkischer Nationalismus, der Umgang mit der NS-Vergangenheit, und die Bereitschaft, Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele einzusetzen, machten die AfD für die Kirchen nicht akzeptabel, so Becher. Dies widerspreche den christlichen Werten.
Neben einigen Tipps im Umgang mit rechtsextremistischen Äußerungen in Schule und Kirche gab Martin Becher den Religionspädagog:innen als Fazit mit auf den Weg, die demokratischen Strukturen unserer Gesellschaft zu stärken und zusammenzuhalten. Gemäß dem Slogan der Evangelischen Jugend in Bayern: „Die Welt ist bunt – Gott sei Dank“.
Zur Lektüre empfahl Becher die Broschüre: „Rechts Denken, Rechtes Reden – und wie darauf reagieren“.
Hier als PDF zum Download:
Text und Foto Hubert Mauch
