Nachruf zum Tode von Gerda Bachmayer von Pfarrer Johannes Hofer
Gerda Bachmayer (75) war auf der ganzen Welt daheim und bis zuletzt auch ohne Auto mobil. Sie hatte ein weites Herz für alle Menschen. Pflegte Kontakte nach Papua Neuguinea und Ungarn und war vor Wochen auf einer Hochzeit in Indien. Als gelernte Krankenschwester war sie über Mission-Eine-Welt in Neuguinea im Einsatz. Ihre Missionserfahrung brachte sie engagiert im Missionsarbeitskreis des Dekanates ein. Bei Partnerschaftsbesuchen war Gerda immer dabei. Sie begleitete Spendenprojekte und bereitete als Prädikantin die gemeinsamen Partnerschaftsgottesdienste der Dekanate Passau, Ponampa und Tenta mit vor.
Keiner pflegte die Gemeindepartnerschaft Orosháza (Ungarn) und Ortenburg wie Gerda Bachmayer. Sie hielt persönlich Kontakt und war mehrmals für einige Wochen in der Evangelischen Schule in Orosháza um Deutschkurse zu halten.
Deutschkurse gab sie auch in Ortenburg für Menschen aus aller Welt, jeden Dienstag im Gemeindehaus und regelmäßig Deutschnachhilfe bei sich zu Hause. Dabei nahm sie sich aller Nöte ihrer Schülerinnen und Schüler jeden Alters an, erzählte von ihrem Glauben, betete für sie und begleite sie auch auf Ämter und zu Gerichtsverhandlungen. Gerda Bachmayer fürchtete sich vor nichts und niemand und betete und vertraute Gott wie ein Kind. Das machte sie unangepasst, mutig, entschlossen. Unaufhaltsam, immer schnellen Schrittes leicht nach vorne gebeugt ging sie ihren ganz eigenen Weg. Jeden Sonntag ging sie in den Gottesdienst in Neuendettelsau, in Berlin, in München, in Aidenbach, meistens in Ortenburg. Hier war sie seit Jahrzehnten Prädikantin und hielt regelmäßig Gottesdienste, zuletzt auch häufig in Aidenbach.
Seit 2012 gehörte sie dem erweiterten Kirchenvorstand an und erweitert den Horizont der Kirchengemeinde weltweit wie keine andere.
Am Sonntag vor Pfingsten zog sie mit dem Kirchenvorstand den Konfirmanden voraus in die Kirche und schrieb ihnen noch einen Brief, den sie im Gemeindehaus zu den Konfibriefkästen hängte. Am Montag betete sie in der Kirche beim Abendgebet für ihre Freundin, die die gleiche Krankheit hatte, wie sie. Danach war sie in der Kirchenvorstandssitzung. „Ich muss zum Arzt“, sagte sie. Doch vorher hielt sie am Dienstag ihren Deutschkurs. Am Donnerstag schrieb sie über Whatsapp: „Ich bin im Krankenhaus. Mein Zustand hat sich verschlechtert. Die Lesung beim Pfingstgottesdienst kann ich leider nicht übernehmen.“ Als ich sie am Samstag besuchte, saß sie im Bett, frisch, entspannt, gelassen. Auf dem Nachtkästchen nebendran ihre Patientenverfügung. Sie sagte: „Ich bete nicht, dass ich wieder gesund werde, sondern, dass mir Gott die Kraft gibt, das zu tragen, was jetzt kommt.“ „Dürfen wir trotzdem beten, dass Gott dich wieder gesund macht? Wir wollen dich noch länger haben,“ sagte ich. Wir lachten und beteten.
Zwei Tage später rief das Krankenhaus an. Es geht zu Ende. Als ich zu ihr fuhr, kamen mir in ihrer Todesstunde die Worte von Dietrich Bonhoeffer in den Sinn, die er im Gefängnis in Berlin-Tegel schrieb:
„Fasse dich, Bruder, bald hast du´s vollbracht,
bald, bald!
Mutig und stolzen Schrittes hör´ ich dich schreiten.
Nicht mehr den Augenblick siehst du,
siehst künftige Zeiten.“
Auf ihren Wunsch hin darf sie ins Gemeindegrab zu den Armen, zu denen, die keinen Menschen haben, zu denen, die ihr zeitlebens am Herzen lagen.
Die Beerdigung ist am 26. Juni um 14.00 Uhr in Steinkirchen.
Anstelle von Blumen am Grab bittet die Familie um Spenden für Mission Eine Welt:
„Bestattung Gerda Bachmayer – Spende für Mission Eine Welt – Papua-Neuguinea“
Raiffeisenbank Ortenburg
Ev. Luth. Kirchengemeinde Ortenburg
IBAN: DE80 7406 1670 0000 0021 00
