Winterliche Musik zum Jahreswechsel in der Martin-Luther-Kirche Spiegelau berührt die Herzen. Von links: Ruth Gallenkamp (Violoncella), Simone Gaisbauer (Violine), Michael Dietz (Orgel), Margarita Wolf (Violine, Gesang), Karolina Wolf (Gesang, Violine, Flöte)
Es war einer dieser besonderen Abende „zwischen den Jahren“, an denen die Zeit ein wenig stillzustehen scheint. In der warm erleuchteten Martin-Luther-Kirche Spiegelau erklang am Sonntag das Konzert „Nun treten wir ins neue Jahr“ – ein musikalischer Rückzugsort inmitten der stillen Tage nach Weihnachten. Diakonin Gabi Neumann-Beiler und Pfr. Tobias Keilhofer begrüßen die Besucher in der vollbesetzten Kirche.
Die fünf Musikerinnen und Musiker Karolina Wolf, Margarita Wolf, Simone Gaisbauer, Ruth Gallenkamp und Michael Dietz nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch Jahrhunderte und Stile. Renaissance, Barock und Frühklassik verschmolzen zu einem Klangraum, der gleichermaßen festlich, nachdenklich und tröstlich wirkte.
Schon der Auftakt mit dem uralten Choral „Nun komm, der Heiden Heiland“ öffnete eine Tür in die Tiefe der Tradition. Die Melodie, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht, erfüllte die Kirche mit einer fast archaischen Ruhe. Das mittelalterliche „Sys willekomen heire kerst“ ließ die Zuhörer anschließend in eine längst vergangene Weihnachtswelt eintauchen.
Zwischen zarten Linien und festlichen Klängen entfalteten sich Werke von Corelli, Crüger und Hammerschmidt – Musik, die nicht nur gehört, sondern gespürt wurde. Besonders eindrucksvoll war Hammerschmidts Neujahrslied „Nun treten wir ins neue Jahr“, dessen sehnsuchtsvolle Bitten um Frieden und Ruhe auch heute noch unmittelbar berühren.
Ein stiller Höhepunkt war die „Lacrimae Pavane“, deren melancholische Schönheit die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Hoffnung der Weihnachtsbotschaft zugleich spürbar machte.
Im zweiten Teil des Konzerts öffnete sich die Stimmung: Mit den festlichen Sätzen aus Michel Correttes Weihnachtssinfonie und Vivaldis mitreißendem „Winter“ aus den Vier Jahreszeiten erfüllten strahlende, virtuose Klänge den Kirchenraum. Die Musik schien die Kälte des Winters und zugleich seine klare Schönheit einzufangen.
Am Ende dankte das Publikum mit langem, herzlichem Applaus. Viele verließen die Kirche mit dem Gefühl, nicht nur ein Konzert gehört, sondern einen besonderen Moment geteilter Stille und Freude erlebt zu haben – ein musikalischer Segen zum Jahreswechsel, der auch mit dem Segen durch Diakonin Gabi Neumann-Beiler vertieft wurde.
Text und Foto: Gabi Neumann-Beiler
