Kanzelrede mit dem Münchner Kabarettisten und Autor Christian Springer (Foto Mitte) am Sonntag, 1. März in der evangelischen Stadtpfarrkirche als Appell für Toleranz und Humanität. Sein Thema: „Die Welt brennt! Wer löscht?“ Dekan Jochen Wilde (Foto li) begrüßte die Gäste in der Passauer Citykirche und führte durch die anschließende Diskussion im Evangelischen Zentrum. Das Duo Ralf Albert Franz (E-Piano)(Foto re) und Peter Tilch (Saxophon) umrahmte die Veranstaltung mit beschwingten Jazz- und Bluesklängen.
Dekan Wilde begrüßte den Kanzelredner Christian Springer als „Propheten der Hoffnung“, „Botschafter der Toleranz und Humanität“ und „unverbesserlichen Optimisten“. Zuvor machte er jedoch deutlich, dass die Welt an vielen Stellen brennt. Kriege in Europa, im Gaza, zwischen Pakistan und Afghanistan, seit gestern im Iran. Autokarten sind auf dem Vormarsch, Fakten weichen Fakenews, ein brauner Mob will die Demokratie ruinieren, und die Bundesregierung merzt die Schöpfung aus. Endzeitstimmung mache sich breit. Immerhin tue Bayern etwas dagegen: An Schulen soll die Hymnenpflicht eingeführt werden.
Hunderte E-Mails mit Nachrichten aus Nahost haben Christian Springer seit gestern erreicht, wie er gleich zu Beginn seiner sehr persönlichen Kanzelrede erzählt. Das habe seine Kanzelrede beeinflusst. Der Kabarettist hat gute Kontakte in den Nahen Osten. Vor 14 Jahren gründete er den Verein „Orienthelfer“ mit dem Ziel: Kinder, Frauen und Familien aus dem Nahen Osten in der größten humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg vor Ort zu unterstützen, wie auf seiner Homepage nachzulesen ist.
In der Stadtpfarrkirche machte er anhand seiner Familiengeschichte deutlich, dass es im Krieg keine Helden, sondern nur Überlebende gibt. Durch Zufall habe die männliche Linie seiner Familie seit zehn Generationen Kriege überlebt. Er habe das verdammte Glück gehabt in einer friedlichen Familie aufzuwachsen. „Streit ja, aber im Haus gab es keine Waffen.“ Der Satz seiner Mutter „Wenn einer hinfällt, gehst du hin und hilfst ihm auf“ habe ihn geprägt. Dabei meinte sie mit „einer“ nicht „einer von uns“, sondern alle Menschen.
In der Stadtpfarrkirche erzählt er auch von seiner Oma Paula. Sie wurde in Spiegelhütte im Bayerischen Wald geboren und wie viele andere Kinder aus Armut im Alter von 14 Jahren weggeschickt, um zu überleben. Sie landete im Ausland. Heute würde man sie als „Wirtschaftsflüchtling und unbegleitete Jugendliche“ brandmarken. „Rechte reden von meiner Oma, wenn sie von Flüchtlingen reden.“. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Flüchtlinge politisch benutzt werden, weil sie Menschen sind.“
Dekan Jochen Wilde (re) moderiert die anschließende Diskussion mit Christian Springer (li) im Evangelischen Zentrum.
In der anschließenden Diskussion im Evangelischen Zentrum bekannte Springer, dass Pater Ruppert Mayer für ihn ein Vorbild sei. Der Jesuit hielt sich eben nicht an das gegen ihn verhängte Redeverbot und unterstützte weiterhin bedürftige Familien mit Lebensmitteln. Trotz der Verhaftungen und Einschüchterungen ließ er sich von den Nazis seine Humanität nicht nehmen.
Einen Satz den er, wenn es um Demokratie geht, so oft hört und nicht mag, ist „Man kann eh nichts machen.“ Demokratie sei nicht sexy, sondern zäh und für sie müsse gekämpft werden, so sein Credo. Und sein Rat an die Jugend lautet: „Tretet nicht nach unten, sondern nach oben.“
Text und Fotos: Hubert Mauch
