Silvestergottesdienst mit Dekan Jochen Wilde in der evangelischen Stadtpfarrkirche Passau mit Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer. Die musikalische Gestaltung lag in den Händen von Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz und Peter Tilch mit Kammermusiken von Jean Xavier Lefèvre. Die Gemeinde stärkte sich beim Singen des weltbekannten Bonhoeffer-Lieds „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Einen fröhlich-dynamischen Auftakt bescherte das eingespielte Duo Franz (Orgel) und Tilch (Klarinette) den Gottesdienstbesuchern am Silvesterabend in der Stadtpfarrkirche St. Matthäus mit einem Allegro moderato des Schweizer Komponisten und Klarinettisten Jean Xavier Lefèvre. Seine Werke bildeten das musikalische Gerüst des Gottesdienstes.
Dekan Jochen Wilde sagte bei seiner Begrüßung, das Jahr 2025 sei „ein riesengroßes Meer an Erlebnissen und Eindrücken“, schöne und schmerzliche. Er forderte dazu auf, innezuhalten, um das zu behalten, was zu behalten ist, und loszulassen, was loszulassen ist.
In seiner Predigt erinnerte Wilde an die vom Evangelischen Dekanat Passau zu Jahresbeginn 2025 organisierte Kundgebung „Zamm hoitn“ im Passauer Klostergarten. Damals forderten mehrere Passauer Bürger:innen die Kirche auf, doch etwas zu tun und sich für Demokratie, Menschenwürde und Respekt sowie gegen Hass und Hetze einzusetzen. Dies sei weiterhin „eine bleibende Herausforderung, nicht zuletzt mit Blick auf die Kommunalwahlen am 8. März“.
Vielleicht werde das Jahr 2025 als das Jahr der Zäsur in die Geschichte eingehen, mutmaßte Dekan Wilde. Es habe viele, vielleicht sogar unumkehrbare Umbrüche von einer auf gemeinsamen Werten basierenden Weltordnung zu einer Weltunordnung gegeben, bis hin zum Versagen einer globalen Klimapolitik. Hoffnung mache da die Fähigkeit des Menschen, etwas Neues anzufangen.
Sabine Aschenbrenner bei der biblischen Lesung aus Prediger 3 „Alles hat seine Zeit“.
Als das „Jahr der Entscheidungen“ bezeichnete Landesbischof Christian Kopp das zu Ende gegangene Jahr mit Blick auf die evangelische Kirche bei seinem Besuch im Dekanatsbezirk Passau. Die Stichworte hierfür sind die von der Landessynode beschlossene Regionalisierung, die Fusionierungen von Kirchenkreisen und Dekanaten, die Gebäudebedarfsplanung und der Landesstellenplan, vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Kirche. Im Gottesdienst dankte Dekan Wilde den Gemeindemitgliedern für ihre Treue.
2025 war auch das Bonhoefferjahr zum Gedenken an dessen 80. Todestag. In der ersten Hälfte des Jahres gab es dazu eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Gottesdienste. Bonhoeffer habe seiner Kirche ins Stammbuch geschrieben, wofür sie da sei. „Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie ‚Kirche für andere‘ ist, dies ist ihre Bestimmung!“ Sie sei dazu da, „Hilfe zum Leben“ zu geben, „Trost in der Krise“ zu spenden und „Beistand in der Not“ zu gewähren, „Das ist Kirche!“
Mit einem lebhaft-freudigen Allegro des Komponisten Lefèvre entließen Franz und Tilch die Gottesdienstbesucher in die Silvesternacht.
Text und Fotos: Hubert Mauch
Wer möchte kann die Predigt hier nachlesen:
