I can’t breathe

Orgelbauer Fruth, Dekan Wilde und Kantor Franz stehen auf der Empore vor der Orgel.
Bildrechte Dekanat/Mauch

Orgelweihe durch Dekan Jochen Wilde in der evangelischen Stadtpfarrkirche an Pfingsten. (v.l.n.r.) Orgelbauer Cosmas Fruth, Dekan Jochen Wilde und Kantor Ralf Albert Franz freuen sich über die neuen klanglichen Möglichkeiten der Eisenbarth-Orgel in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Im Hintergrund stehen interessierte Gottesdienstbesucher, um sich den Umbau der Orgel zeigen zu lassen.
„Es macht wieder richtig Spaß an der Orgel zu sitzen“ bekennt Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst an Pfingstsonntag im Evangelischen Zentrum Passau St. Matthäus. Gerade hatte er die neuen klanglichen Möglichkeiten der Eisenbarth-Orgel in der Stadtpfarrkirche mit Werken aus verschiedenen Epochen zu Gehör gebracht. Dazu gehörten Werke von Telemann, Händel und natürlich Bach. Der Klang der Orgel ist jetzt voller, kräftiger, wärmer. Das Repertoire an musikalischen Möglichkeiten wurde deutlich erweitert.
Beglückt und zufrieden schaut auch Cosmas Fruth drein. Der Orgelbauer und Geschäftsführer der Passauer Orgelbaufirma Eisenbarth hatte das neue Trompetenregister eingebaut und angepasst. Die Orgelpfeifen stammen aus England, wo derzeit viele Orgeln abgebaut werden. „Das passt zur im englischen Landhausstil erbauten Kirche.“
Dass alles innerhalb von rund zwölf Monaten realisiert werden konnte, verdankt die Gemeinde dem Engagement von Kantor Franz, seinen Benefizkonzerten und den großzügigen Spenden, betonte Dekan Wilde in seinen Worten zur Segnung des Instruments. Der Umbau der Orgel wurde vollständig durch Spenden finanziert. 

Dekan Wilde betet am Altar.
Bildrechte Dekanat/Mauch

Dekan Jochen Wilde betet mit der Gemeinde das Vaterunser.

Die Wiedereinweihung der Orgel passt zu Pfingsten. Dekan Wilde betonte, dass sie ein „durch und durch pfingstliches Instrument“, ein „Werkzeug des Heiligen Geistes“ sei. So wie der Mensch brauche auch die Orgel Atem, strömende Luft damit Töne lebendig werden.
In seiner Predigt erinnerte Dekan Wilde deshalb auch an die letzten Worte von George Floyd. Er wurde in den USA ein Opfer von Rassismus und brutaler Polizeigewalt. Seine letzten Worte waren „I can’t breathe“ – „Ich kriege keine Luft“. Diese Worte seien zum anklagenden Aufschrei all derer geworden, die in unserer Welt nicht mehr richtig atmen können. Der Auftrag der Kirche sei es, für diese Menschen einzutreten. „Wenn Orgel und Mensch dieselbe Luft atmen, dann wird jede Orgel für mich zum Zeichen, zum Aufruf: einzutreten, aufzustehen, den Mund aufzumachen für diejenigen, die laut und leise flehen: I can’t breathe.“  Eine Gemeinde, die eine Orgel erweitert und an Pfingsten einweiht, muss deshalb auch Flagge zeigen gegen diejenigen, die in unserer Gesellschaft die Luft vergiften und den Ungeist der Menschenverachtung unter uns verbreiten. „Und zwar sichtbar, entschieden und zusammen mit vielen anderen und so laut es nur geht.“
Nach dem Gottesdienst luden Kantor und Orgelbauer zu einer kurzen Orgelführung und Demonstration des neu eingebauten Trompetenregisters. Bei sommerlichen Temperaturen klang die pfingstliche Orgelweihe im Kirchgarten bei Kaffee und Kuchen aus.
Text und Foto: Hubert Mauch