Verabschiedungs-Gottesdienst für Pfarrer Manfred Greinke am 20. September in Pfarrkirchen. Von rechts: Dekan Jochen Wilde, Pfarrer Manfred Greinke und seine Frau Maria Himmer, Vertrauenspfarrerin Sabine Hofer, Vertrauensmann des Kirchenvorstandes Peter Wolfrum.
In einem feierlichen und hoffnungsfrohen Gottesdienst wurde Pfarrer Manfred Greinke in der Christuskirche Pfarrkirchen durch Dekan Jochen Wilde in den endgültigen Ruhestand verabschiedet. Der 70jährige Pfarrer hatte schon vor fünf Jahren die offizielle Ruhestandsgrenze erreicht und übernahm zuletzt im Vertretungsdienst auf der 1. Pfarrstelle in Pfarrkirchen tätig. Den musikalischen Rahmen gestalteten das Gesangsensembles „PAN Voices" der Gemeinde unter der Leitung von Pfarrer Thomas Weinmair und die Organistin Maria Rottenwöhrer.
Pfarrer Manfred Greinke verabschiedete sich in seiner Predigt, flocht dazu das Melanchthon-Zitat „Der Glaube ist das Licht, durch das Gott wahrhaftig lebendig macht“ ein, denn: „Das alles und nichts anderes sah ich immer als meine Hauptaufgabe. Und alles davon ablenkende „erachte ich nach wie vor als nicht zielführend, um es vorsichtig auszudrücken.“
Greinke rückblickend: „Hätte ich die Chance gehabt, als wesentlich jüngerer Pfarrer hierhergekommen zu sein, wäre ich gewiss auch wesentlich länger geblieben.“ Dieses ach so kurze Jahr habe zu einem der schönsten seines beruflichen Lebens gehört. „Ich habe Gott für jeden Tag in dieser Gemeinschaft, dieser Gemeinde gedankt. Und ich danke Gott und Euch für alles Gute im Miteinander im Dienst am Heiligen“, sagte er – „Vergelt‘s Gott reichlich.“
„Pfarrer kommen und gehen, Christus aber bleibt, und zwar derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er ist der Grund. Wage es ja niemand, einen anderen Grund zu legen als diesen, der gelegt ist!“, betonte Greinke – und gab der Gemeinde mit: „Seid und bleibt sehr sensibel und aufmerksam, denn es wird immer versucht, auf listige Weise diesen Grund zu beseitigen. Werdet nicht müde, kritisch zu überprüfen, ob etwas nach Gottes Programm ist, der geschwisterlichen Liebe und der Nächstenliebe und dem Gemeindeaufbau dient, oder ein gut getarntes Ersatzprogramm.“
Der Gemeinde wünschte er, „bleibt behütet in der Liebe Christi“: „Das Band der Liebe Christi halte euch fest zusammen. Die Freude am Herrn sei Eure Stärke! Und die Lust an allem, was von Gott kommt, sei Eure Motivation. Möge Euch der allmächtige und barmherzige Gott reichlich segnen.“
Zusammenfassend verabschiedete sich Greinke mit einem humorigen Gedicht und fügte hinzu: „Gottes Kinder sehen sich nie zum letzten Mal. In diesem Sinne bis zur nächsten Gelegenheit, aber spätestens bis zur Ewigkeit: Gott befohlen, Ade.“
Gesangsensemble „PAN Voices“ der Gemeinde mit (v.li.) Leiter Pfarrer Thomas Weinmair, Barbara Frank, den Kirchenvorstandsmitgliedern Cornelia Weimar und Xin Gao, Bernhard Mittermaier
Vertrauenspfarrerin Sabine Hofer aus Ortenburg überreichte Pfarrer Greinke die vom Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, unterzeichnete Ruhestandsurkunde „wegen Erreichens der um 60 Monate hinausgeschobenen gesetzlichen Altersgrenze“, in der ihm Dank ausgesprochen wird für seine in Treue geleisteten Dienste und beste Segenswünsche für seinen weiteren Lebensweg ausgesprochen werden.
Die Entpflichtung Manfred Greinkes „von seinen Aufgaben als Pfarrer dieser Gemeinde – als „Leihpfarrer“ in der bayerischen Landeskirche nahm Dekan Jochen Wilde aus Passau vor. Er verabschiedete den „jederzeit (aus-)hilfsbereiten, verlässlichen und loyalen Kollegen“ in den wohlverdienten Ruhestand und fügte den Dank hinzu für den Dienst in der Evangelischen Landeskirche Bayern seit 2014 und im Dekanat Passau seit 2020, sprach ihm und seiner Frau Maria Himmer den Segen für die Zukunft aus.
Nach der Pfarrstelle im unterfränkischen Eyrichshof sowie vielen Aufgaben im Dekanat Passau – Springerdienste, Vertretungen, Beauftragter für Gehörlosenseelsorge, Pfarrer in Vilshofen – sei der Einsatz in Pfarrkirchen für Manfred Greinke gewissermaßen der krönende Abschluss, das i-Tüpfelchen gewesen.
Zur Ruhestandurkunde ging Dekan Wilde auf den Werdegang von Pfarrer Greinke ein, der seinen Dienst als überzeugter Lutheraner mit einer „individuellen Note“ versehen habe und gewiss nicht den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sei. In der damaligen DDR war dessen Weg zum Pfarrberuf nicht einfach. Das Regime verwehrte dem FDJ-Verweigerer den direkten Zugang zu Abitur und Studium. Nach einer Elektrikerausbildung, der Anstellung in der Energieversorgung und Arbeit als rekrutierter Bausoldat konnte er doch über den Dienst als Kirchenmusiker den Weg zum Pfarrberuf aufnehmen.
Dekan Wilde gab Manfred Greinke für den Ruhestand mit, sich auch den Monatsspruch zu Herzen zu nehmen, der augenzwinkernd empfehle: „Besser eine Hand voll mit Ruhe, als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“ (Prediger 4,6).
Mit würdigenden Worten verabschiedeten auch Vertrauenspfarrerin Sabine Hofer für das Dekanatskapitel und Vertrauensmann Peter Wolfrum im Namen des Kirchenvorstands den Vertretungspfarrer und überreichten als Zeichen des Dankes ein Geschenk.
Peter Wolfrum bescheinigte Pfarrer Greinke, dieses eine Jahr gut genutzt sowie seine breiten und tiefen Kenntnisse christlich-biblischer Zusammenhänge vermittelt zu haben. Er werde in dem von ihm in dieser kurzen Zeit aufgebauten Netz menschlicher Beziehungen Lücken hinterlassen. Da ohne das Einverständnis seiner Frau Maria Himmer, „dieses wichtige Jahr für die Gemeinde nicht zustande gekommen wäre“, überreichte Wolfrum ihr als „dankbare Anerkennung“ Blumen.
An den Gottesdienst schloss sich ein Beisammensein im Gemeindesaal an, das für gegenseitigen Austausch rege genützt wurde.
Text und Foto: Wilhelm Kolb
