Mit Trompeten und Posaunen

Die Musiker:innen freuen sich über den Applaus
Bildrechte Dekanat/Mauch

Eröffnungskonzert der 22. Steinkirchener Herbstkonzerte am Sonntag, 11. Oktober in der bis auf den letzten Platz besetzten St. Laurentiuskirche in Steinkirchen. Foto: Applaus für die Musiker:innen beim Eröffnungskonzert der 22. Steinkirchener Herbstkonzerte. Vorne li Michael Beck, vorne re Ralf Albert Franz. Im Hintergrund das ökumenische Bläserensemble.

Es knirscht im Gebälk der altehrwürdigen Kirche als Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz die Empore ersteigt und an der historischen Ehrlich-Orgel Platz nimmt. Unten im sonnenlichtdurchfluteten Altarraum der Kirche befindet sich ein ökumenisches Bläserensemble, bestehend aus 13 Bläser:innen der Diözesanblechbläser und dem Bläserensemble St. Matthäus, dirigiert von Michael Beck, Leiter der Diözesanblechbläser. Bläser- und Orgelmusik von alt bis neu steht auf dem Programm und steht sozusagen das ganze Konzert über im Dialog. Unten die Bläser – oben die Orgel. Es erklingen 14 Stücke von 11 Komponisten aus unterschiedlichen Jahrhunderten im Wechsel. Das Konzert ist geprägt von Zeitsprüngen.

„Wir sind hier, um schöne Musik zu hören“, stellte Dekan Jochen Wilde bin seiner Begrüßung fest. Das ökumenische Bläserensemble sei ein „vereinter Klangkörper“. Musik habe eben etwas Verbindendes.

Auch die abwechslungsreiche Liste der Musikstücke weist trotz unterschiedlicher Epochen und Besetzungsstile ein starkes, verbindendes Fundament auf: Sämtliche Stücke sind geistliche Musik. So unterschiedlich die Komponisten aus verschiedenen Epochen auch sein mögen, der geistliche Charakter der Musik ist ihr gemeinsamer Nenner.

Mit der „Festlichen Intrade“ von Thomas Rieger begann das Konzert mit festlicher neuer Bläsermusik. Es folgten an der Orgel drei frühromantische Präludien in C von Robert Führer, die rund 100 Jahre zuvor komponiert wurden. Auf die Bläser mit neuen Chorälen von Gunsenheimer folgte erneut die Orgel. Franz spielte feinfühlig Pachelbel und machte damit einen musikalischen Sprung in die Zeit des Barock. So ging es weiter im Wechsel und im Kontrast: Bläser und Orgel, Alt und Neu, Getragenes und Lebendiges wechselten sich ab. Darunter war das beliebte Kirchenlied „Ich lobe meinen Gott“, das vielstimmig und festlich von Trompete, Posaune, Waldhorn und Tuba intoniert wurde. Der vielleicht stärkste Moment des Konzerts entstand durch die Antwort der Orgel auf ein zeitgenössisches Bläserstück, ein Spiritual von Traugott Fünfgeld. Ralf Albert Franz konterte an der Ehrlich-Orgel mit Friedrich Händels Sarabande, einer einfachen Melodie - und schuf so einen starken, intensiven Kontrast. Zum Finale durften die Bläser mit der schwungvollen Halleluja-Suite von Gustav Gunsenheimer noch einmal ran.

Das Publikum honorierte dieses außergewöhnliche Konzert mit anhaltendem Applaus.

Es folgen: Am Samstag, 17. Oktober, dem Ortenburger Reformationstag, um 19 Uhr ein Festgottesdienst in der evangelischen Marktkirche mit Pfarrerin Sabine Hofer und Musik für Orgel und Klarinette, gespielt von Peter Tilch an der Klarinette und Ralf Albert Franz an der historischen Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1903.

Mit der Missa seconda von Marianna von Martines aus dem Jahr 1760 findet am Sonntag, 18. Oktober ein weiteres Highlight der Steinkirchener Herbstkonzerte in der St. Laurentius Steinkirchen statt. Das halbstündige Werk im galanten Stil verbindet elegante Melodik mit traditionellen Fugen im stile antico und wurde von der Wiener Komponistin im Alter von 16 Jahren komponiert. Mit diesem Werk bewies das Wunderkind sein vielfältiges Können. Es trug dazu bei, den Weg für ihre späteren Erfolge zu ebnen.  Martines erlangte durch solche Kompositionen so viel Respekt, dass sie als erste Frau in die renommierte Accademia Filarmonica von Bologna aufgenommen wurde – ein Meilenstein für Komponist:innen der damaligen Zeit.

Das Konzert beginnt um 16:30 Uhr. Die Ausführenden sind Maria Deger (Sopran), Marlene Kraft (Alt), Matthias Deger (Tenor), Bernhard Forster (Bass), das Originalklangensemble St. Laurentius unter der Leitung von Ralf Albert Franz, der auch auf der Truhenorgel spielen wird.
Text und Foto: Hubert Mauch