Werden, wer wir schon sind

Dekan Wilde, Dekanin Mikšíková und Pfarrerin Sasse mit der Fuzo im  Hintergund
Bildrechte Dekanat/Mauch

Mit einem PaBuLi-Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Matthäus in Passau bekräftigten evangelische Christen aus Passau, Budweis und Linz am Sonntag, 11. Oktober, ihre langjährige Partnerschaft. Die Predigt hielt Svenja Sasse, Pfarrerin der Evangelischen Kirche A. B. in Linz. Die Liturgie wurde von Ludmila Míchalová Mikšíková, Dekanin der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Budweis, und dem Passauer Dekan Jochen Wilde gestaltet. Für einen musikalisch-fröhlichen Rahmen sorgten Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz an der Orgel und Peter Tilch an der Klarinette. Auf dem Foto: (v.l.n.r.) Pfarrerin Svenja Sasse, Dekanin Ludmila Míchalová Mikšíková und Dekan Jochen Wilde. Sie verabschieden die Gottesdienstbesucher vor der Stadtpfarrkirche am Rande der Passauer Fußgängerzone.

Über zwei Stunden dauerte allein die Anfahrt, erzählte eine Frau im Anschluss an den Gottesdienst beim Kirchenkaffee. Sie kam aus der Nähe von Budweis und war mit der tschechischen Delegation früh aufgebrochen. Die Gäste aus Linz hatten es da bequemer, aber allen war es gleich wichtig mit dabei zu sein und die Partnerschaft lebendig werden zu lassen.

PaBuLi, eine Wortkreation aus Passau, Budweis und Linz, klinge irgendwie nach Astrid Lindgren, sagte Dekan Wilde in seinem Willkommensgruß in der Stadtpfarrkirche zu Beginn des Gottesdienstes. Es gehe darum miteinander zu feiern, aufeinander zu hören und voneinander zu lernen, wie wir uns als kleiner werdende Kirchen behaupten können. Nach den wechselseitigen Begegnungen in Passau, Linz und Budweis fand der Gottesdienst am Sonntag erstmals zu dritt statt. Dazu gehörte es auch, dass der Psalm 103 vom Hohelied der Barmherzigkeit Gottes, gemeinsam in deutscher und tschechischer Sprache gesprochen wurde.

Pfarrerin Sasse am Rednerpult der Stadtpfarrkirche
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Pfarrerin Svenja Sasse aus Linz hat ein Faible für Mode und Trash-TV

„Kleider machen Leute“ war das Predigtthema von Pfarrerin Sasse aus Linz. Gleich zu Beginn bekannte die Theologin ihre Leidenschaft für Mode und für Trash-Sendungen. Ganz besonders mag sie die Unterhaltungsserie „Shopping Queen“. Kleidung sei Geschmacksache, sie gebe Schutz, sie zeige, wer man ist, oder wer man sein möchte, und mache einen äußerlich neu.

Das war schon in der Antike so. Der damals entstandene christliche Lifestyle ging jedoch über das Äußere hinaus. „Der Mensch soll neu werden im Denken und Handeln, mit allem, nicht nur äußerlich.“ Ein Gedanke aus dem Epheserbrief, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen. Es gehe darum, Haltungen wie Bitterkeit, Zorn und verletzende Worte loszulassen und als von Gott geliebte Menschen zu leben, so die Pfarrerin in ihrer Predigt in der Stadtpfarrkirche. „Es geht aber nicht darum, sich völlig neu erfinden zu müssen: In Christus dürfen wir werden, wer wir schon sind.“

Vergebung ermögliche im Leben immer wieder Neuanfänge und helfe, mit uns selbst und anderen barmherzig umzugehen. Die Gemeinde könne dabei ein Erprobungsraum sein. „Sie kann ein Ort sein, an dem Menschen freundlich miteinander umgehen, Fehler weder übergehen noch kleinreden, zugleich aber im Gespräch bleiben und einander Veränderung zutrauen.“ Dies gelte auch über die Gemeinde hinaus, wo immer Christen im Leben und in der Gesellschaft unterwegs sind.

Dekanin Mikšíková, Dekan Wilde und Pfarrerin Sasse am Altar
Bildrechte Dekanat/Mauch

(v.l.n.r.) Dekanin Mikšíková, Dekan Wilde und Pfarrerin Sasse bei den gemeinsamen Fürbitten

Beim anschließenden Kaffeegespräch im Evangelischen Zentrum informierte Dekan Wilde die Gäste über die angestoßenen Veränderungen in der Evangelischen Kirche in Bayern und insbesondere im Dekanat Passau, um der geringer werdenden Zahl an Mitgliedern, den knapper werdenden finanziellen Mitteln und dem Personalmangel gerecht zu werden. „Wir müssen als Kirche frisch und offensiv sein und Altes ablegen.“

Pfarrerin Sasse erzählte von der Renaturierung der Flächen vor und hinter ihrer Kirche in der Linzer Innenstadt und dem Ziel der evangelischen Gemeinde, für alle gesellschaftlichen Gruppen offen zu sein. Dazu gehöre auch die kürzliche Beteiligung an einer ökumenischen queeren Schöpfungsfeier.

Pfarrerin Mikšíková unternahm mit uns einen Ausflug in die Entstehungsgeschichte der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und beschrieb die Situation während der kommunistischen Herrschaft. Aktuell befindet sich ihre Kirche, ähnlich wie die Evangelische Kirche in Bayern, mitten in Umstrukturierungen und Fusionen. 
Das nächste Partnerschaftstreffen soll im neuen Jahr in Budweis stattfinden. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Text und Fotos: Hubert Mauch