Waldlerlyrik mit Romantik

Haselbeck, Sverko und Schmoll vor der Wandprojektion des Gedichtbandes Regenbogentage
Bildrechte Dekanat/Mauch

Ein Abend mit Lyrik, Naturfotografien und Musik im Evangelischen Zentrum mit Dr. Fritz Haselbeck (li) und Tatiana Sverko (Mitte). Pfarrer Stephan Schmoll (re) vom Förderkreis Stadtpfarrkirche Evangelisches Zentrum St. Matthäus hatte dazu eingeladen.  

Dass die Uhren im Woid etwas anders getaktet sind, das genossen am Donnerstagabend, 15. Oktober, die Besucher:innen des Lyrikabends im Evangelischen Zentrum Passau. Dr. Fritz Haselbeck aus Grainet las aus seinen Gedichtbänden „Regenbogentage“ und „Schattenträume“ vor, dazwischen intonierte die Pianistin Tatiana Sverko romantische Werke von Frédéric Chopin bis hin zu Ludovico Enaudis neoklassischem Hit „Nuvole Bianche“.

Im Namen des Förderkreises hieß Pfarrer Stephan Schmoll die Gäste willkommen. Die beiden Künstler:innen seien ein eingespieltes Team. „Bild, Lyrik und Klavier inspirieren sich gegenseitig“, betonte Schmoll und versprach einen spannenden, intensiven und anspruchsvollen Abend. Haselbeck selbst sagte in seinen einführenden Worten, „Ich greife Alltags- und Lebenssituationen auf, die zum Glücklichwerden, zum Mutfassen, aber auch zum Nachdenken anregen, die mir als Mensch, als Kind begegneten: Landschaften, Pflanzen, Tiere und auch das Unschöne. Ich nehme und zeige das Leben so wie es ist.“ Die Gedichte hat er in der Coronazeit geschrieben.

Seine kurzen Gedichte tragen Titel wie: „Liebe”, „Geborgenheit”, „Bunte Falter”, „Die Krähe”, „Wortbruch”, „Obdachlos”, „Dankbarkeit”, „Verzeihen” und „Stille Nacht”. Dazu zeigte der Naturfotograf immer erst ein ausdrucksstarkes Foto, das im Bayerischen Wald oder auch in Passau am Inn aufgenommen wurde und ihn oft Monate später zu einem entsprechenden Gedicht inspiriert hatte.

Die Präsentation war durch Pausen geprägt, die den Besucher:innen Gelegenheit gaben, die Fotografien und die ungereimten Verse auf sich wirken zu lassen.  Zwischendurch erzählte er immer wieder vom Entstehungsort der Fotografien, vom Entstehungsprozess der Verse und davon, wie er mit der Bearbeitung gerungen hatte. „Wann ist Schluss? Wann ist ein Gedicht fertig?“

Emotionen, Melancholie und Leidenschaft kamen auch in den Klavierstücken von Pianistin Tatiana Sverko aus Waldkirchen zum Ausdruck. An diesem Abend überraschte die Klavierdozentin mit einem romantischen Stück von Julius Blechinger, einem einst berühmten und in Vergessenheit geratenen Musiker, Komponisten und Dirigenten aus dem Bayerischen Wald. Tatiana Sverko wählte ihre Musikstücke spontan, passend zu den Bildern und Gedichten aus. Der Vortragsabend wurde nicht vorher geprobt.

„An diesem Abend wollte ich Impulse für Zufriedenheit, Ruhe und Gelassenheit geben, um der Hektik da draußen etwas entgegenzusetzen“, bekannte Friz Haselbeck am Ende des Abends. Das war ihm und Tatiana Sverko auch gelungen.
Text und Foto: Hubert Mauch