Im Rahmen eines Kantatengottesdienstes wurde am Sonntag, dem 15. März, wurde Kirchenrat Norbert Stapfer in Bad Füssing verabschiedet. Dekan Jochen Wilde entpflichtete den Kurseelsorger. Kirchenmusikdirektor Jürgen Wisgalla gestaltete den Gottesdienst musikalisch. Im Mittelpunkt stand die Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf dem Foto segnet Dekan Jochen Wilde (re) Kirchenrat Norbert Stapfer (li) am Ende der Entpflichtung.
Gewünscht hatte er sich einen stillen Abschied. Dieser Wunsch ging jedoch nicht in Erfüllung: Die evangelische Christuskirche in Bad Füssing war proppenvoll. Sie alle waren zur Verabschiedung von Kirchenrat Norbert Stapfer gekommen. Er war 25 Jahre lang Kurseelsorger in Europas größtem Kurbad.
Was tut mir gut? Diese Frage ging Bartholdy in seiner Choralkantate nach, analysierte Norbert Stapfer in seiner Abschiedspredigt. Er sehe in ihr nicht nur Parallelen zu seiner Aufgabe als Kurseelsorger. Es gehe um das Fundament, das Vertrauen zu Gott. Besonders wenn es im Leben um Leid und Ängste handle, bräuchten Menschen Halt und Hoffnung, Hilfe und Zuversicht. In seiner Predigt nannte er zahlreiche Beispiele aus dem Alltag und setzte sie in Beziehung zum Liedtext.
Dekan Jochen Wilde griff den Ball in seiner Ansprache auf. Die Frage „Was tut mir gut?“ habe sich Norbert Stapfer wohl auch persönlich gestellt. Für die Kurseelsorge sei es allerdings nicht so gut, wenn er zum 1. April in den Ruhestand gehe. So sei es für ihn eine traurige Aufgabe den Kirchenrat Stapfer von seinen Aufgaben zu entpflichten. Auch als Dekan habe er ihn nicht umstimmen können. Er dankte ihm für seinen Dienst in der Gemeinde und in der Kurseelsorge, sowie seinem Engagement als Ökumenebeauftragter im Dekanatsbezirk und im Kirchenkreis.
(v.l.n.r.) Kirchenrat Norbert Stapfer, Dr. Claudia Stadelmann-Laski, Dekan Jochen Wilde und Kirchenrat Karsten Schaller.
„Er ist immer dorthin gegangen, wo die Menschen sind, und hat die Kirche in die Welt hinausgetragen“, betonte Dr. Claudia Stadelmann-Laski, Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes, in ihrer die Grußworte einleitenden Rede. Sie fragte ihn: „Bist du bereit für den Ruhestand?“ Sie sei sich sicher, dass sein Ruhestand keine „Stille Nacht“ werde, sondern ein „Freude schöner Götterfunken“.
Für den Bad Füssinger Bürgermeister Tobias Kurz war Stapfer zudem immer offen für Ideen gewesen, jemand, der "zugehört hat mit ehrlichem Interesse am Gegenüber“.
Das „gute Miteinander der Kirchen“ betonte die katholische Kollegin Kurseelsorgerin Maria Müller und bedankte sich für die ökumenische Zusammenarbeit. Er sei immer unkompliziert, produktiv und wertschätzend gewesen. Zudem schaue sie mit Sorge auf die kommende Vakanz.
Für Kur- und Tourismusmanagerin Daniela Leipelt hat Norbert Stapfer Kurseelsorge mit viel Engagement gelebt. „Es ging ihm nicht um die Konfession, sondern um den Menschen.“ Stapfer werde große Fußstapfen hinterlassen.
Kirchenmusikdirektor Jürgen Wisgalla dirigiert den Kanon von Orchester, Chor, Solisten und Gemeinde gleichzeitig und mit leichter Hand.
Als „Trauergemeinde“ sprach Kirchenrat Karsten Schaller, Referent für Kirche und Tourismus der bayerischen Landeskirche die Gottesdienstbsucher in der Christuskirche an. Besonders beeindruckt sei er von Stapfers Glaubens- und Lebensfreude. Er zählte die vielen Angebote für die Kurgäste auf, die Stapfer geschaffen hatte und versprach: „Es wird weitergehen, auch wenn die Fußstapfen groß sind.“
Das letzte Wort hatte Norbert Stapfer selbst. Es sei ein „erfüllender Dienst“ gewesen. Seine „Fußstapfen“ könne allerdings jeder füllen, auf seine Art und Weise. Ein besonderes Anliegen war ihm auch an seinen verstorbenen Vorgänger Pfarrer Peter Ganzert zu erinnern, und dessen Sohn Christoph überraschenderweise zu seiner Verabschiedung kam. Er sei ein „Pionier der Kurseelsorge“ gewesen. Weiterhin dankte er den vielen Menschen, Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen, die ihn in den 25 Jahren begleitet haben. „Nur durch Euch alle miteinander war es mir möglich, meinen Dienst in der Kurseelsorge mit so viel Freude und Erfüllung zu verrichten…“
Zum Abschied spielten Karin und Jürgen Wisgalla die Walzerfolge von Johann Strauss für Orgel zu vier Händen und vier Füßen.
Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus wurden bei Wein und Häppchen noch angeregte Gespräche geführt.
Text und Fotos: Hubert Mauch
