Liedgottesdienst zu „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ mit Dekan Jochen Wilde (li) und Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz (re) am Ostersonntag, 5. April um 10 Uhr in der evangelischen Stadtpfarrkirche. Sie freuen sich nicht nur auf Ostern, sondern auch auf einen ganz besonderen Gottesdienst.
Vor 350 Jahren verstarb der lutherische Pfarrer und Lieddichter Paul Gerhardt. Dekan Wilde und Kirchenmusiker Franz nehmen dies zum Anlass, einen Klassiker Gerhardts in den Mittelpunkt des Ostergottesdienstes zu stellen: „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“. Mit Johann Crüger traf Gerhardt einen kongenialen Komponisten, der mit seinen Melodien wesentlich zur Popularität seiner Lieder beitrug – bis in die Gegenwart hinein. Gerhard schrieb mehr als 130 Lieder, von denen sich 26 im heutigen Evangelischen Gesangbuch befinden.
Paul Gerhardt war kein Theoretiker, kein Romantiker – vor allem war er nicht weltfremd. Als er „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ schrieb, wütete in Europa noch der Dreißigjährige Krieg: Mord, Plünderung, Zerstörung, Hungersnot und Verelendung waren an der Tagesordnung. Auch seine Familie und er selbst wurden wiederholt von den harten Schicksalsschlägen des Krieges getroffen. Seine Liedtexte gaben seinen Zeitgenossen neuen Mut und neue Hoffnung.
„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ ist laut Dekan Wilde „ein ehrliches Lied“. Es stamme von einem, der uns nahe ist, der die Brüche des Lebens kenne, sie durchlebt und durchlitten habe. „Und dennoch – oder gerade deswegen an seinem Gott festgehalten hat.“ Dieses echte Vertrauen und diese ehrliche Hoffnung seien wohl auch der Grund, warum dieses Lied bald vierhundert Jahre nach seiner Entstehung immer noch anrührend sei.
Die Melodie dieses Klassikers hat einen italienischen Tanzrhythmus. So entsteht ein Osterwalzer – der „das Leben feiert“. „Auf, auf, mein Herz“ – das ist ein Weckruf, ein Wachrüttler. Ostern will den Menschen Beine machen, sie in Bewegung bringen und sich allen lebensfeindlichen Mächten entgegenstellen. Aktueller geht es nicht.
Seine Lieder fanden sogar Eingang in katholische Gesangbücher. So wurde der Lutheraner Paul Gerhardt zu einem ökumenischen Dichter.
Am Ostermontag, 6. April steht in der evangelischen Stadtpfarrkirche Georg Philipp Telemanns „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ im Zentrum eines Kantatengottesdienstes. Es wirken mit: Sopranistin Nora Mayer, Anna Sager mit der Barockvioline und Leonhard Franz am Barockvioloncello. Die musikalische Leitung hat Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz, der auch die Orgel spielt. Für Liturgie und Predigt ist Pfarrer Stephan Schmoll zuständig.
Beide Gottesdienste beginnen um 10 Uhr.
Text: Wilde/Mauch Foto: Mauch
