Zitate, die entlarven

Toni Schuberl bei der Lesung im Evangelischen Zentrum. Im Hintergrund die Präsentation.
Bildrechte Dekanat/Mauch

„Aus Worten werden Taten“ - Lesung mit Toni Schuberl im Evangelischen Zentrum Passau.  Zu der Veranstaltung hatten das Evangelische Dekanat, Christinnen und Christen gegen Rechts sowie die Grünen eingeladen. Rund 60 Personen waren gekommen und diskutierten am Ende rege mit.
„Sie ist nicht so harmlos wie viele glauben“ sagte der Landtagsabgeordnete der Grünen und Historiker Toni Schuberl zu Beginn seiner Lesung am Samstag, 20. Juni im vollbesetzten Evangelischen Zentrum. „Aus Worten werden Taten“ hat er sein 400 Seiten starkes Buch genannt. Es ist eine Dokumentation von 250 Zitaten von Abgeordneten der AfD im Bayerischen Landtag und deren Einordnung.  Die Zitate stammen aus den Protokollen des Bayerischen Landtags. „Diese Aussagen sind bedeutsam“, gab Schuberl zu bedenken, denn sie stammen nicht von irgendwem, sondern von den Köpfen der Partei. „Die gesamte Fraktion ist rechtsextremistisch.“ 
Seine Lesung glich eher einem lockeren Vortrag mit ernstem Thema. Man merkt, dass sich der Historiker intensiv mit der AfD-Sprache und deren Bedeutung auseinandergesetzt hat. Immer wieder erzählte er von seinen alltäglichen Erfahrungen im Landtag und gab einen Einblick in das Gebaren, die Widersprüchlichkeiten und vor allem die Strategien der AfD-Abgeordneten. 
Der Kern des Rechtsextremismus sei die Ablehnung der rechtlichen Gleichheit der Menschen. Die AfD habe es geschafft alte Nazibegriffe in moderne Sprache zu übersetzen. Inhaltlich seien sie mit Hitlers „Mein Kampf“ identisch, benutzen aber andere Worte. Dabei finden auch die vielfältigen Chiffren Verwendung, mit denen Rechtsextreme kommunizieren. Anhand der vorgestellten Zitate wurde die Strategie der Verächtlichmachung deutlich. Zentrale Institutionen unserer Gesellschaft sind dabei das Ziel und werden schlecht geredet: die Demokratie, die Parteien, Parlamente, Gerichte und Medien. „Die reden nicht nur so daher, sondern wohldurchdacht und vorbereitet.“ Diese Rhetorik bleibt nicht folgenlos. Sie spaltet die Gesellschaft und führt zum Verlust demokratischer Werte.
Nach Einschätzung von Toni Schuberl gibt es in der AfD keinen gemäßigten Teil mehr und fordert ein Verbotsverfahren. Trotzdem müsse man positiv und optimistisch bleiben, sich klar zur Demokratie bekennen und gemeinsame Aktionen planen, sich informieren und wachsam sein, miteinander reden und diskutieren, immer wieder Kraft tanken und zur Wahl gehen, sowie als Demokraten zusammenhalten. Was ihm Mut macht: „Ein Großteil der Gesellschaft steht hinter unserer Demokratie. Es ist nicht wie im Jahr 1932.“
Moderiert wurde die Lesung von Dekan Jochen Wilde und der Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Passau Dr. Stefanie Wehner. 
Text und Foto: Hubert Mauch