Widerspruch ist noch möglich

Gruppenfot von den Herausgeberi:innen und den Veranstaltern
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Am Sonntagabend, den 1. März, lasen Christian Springer (2.v.li) und Kerstin Schweiger (3.v.li) in der evangelischen Stadtpfarrkirche aus ihrem Buch „Bayerischer Mob, wie die Gewalt in die Politik kam“. Rund 150 Zuhörer lauschten bei der Lesung einer Sammlung von Tatsachenberichten über die Verrohung in Bayern. Zu der Lesung hatten das Evangelische Dekanat und die Grünen eingeladen. Sie waren sie auf Einladung von Dr. Stefanie Wehner (li) und Dekan Jochen Wilde (re) zu Gast.

„Ich kann bei den Spielen in den Nachbardörfern meinen besten Fußballer nicht mehr aufstellen. Es ist zu gefährlich, weil man ihm ansieht, dass er nicht von hier ist.“ Dies beklagte ein Jugend-Fußballtrainer, erzählt der Münchner Kabarettist und Autor Christian Springer. Es ist eines von vielen Beispielen, die er zusammen mit der Zimmermeisterin und Bauzeichnerin Kerstin Schweiger aus Landshut an diesem Abend in der Stadtpfarrkirche präsentierte. Die Hetze gegen Ausländer, Juden und Minderheiten hat massiv zugenommen. Sie ist offener und aggressiver geworden. Aber auch Ärzt:innen, Sanitäter:innen, Feuerwehrleute und Politiker:innen bekommen eine zunehmende Gewalttätigkeit zu spüren.

Das Buch, aus dem die beiden vorlesen ist eine von ihnen zusammengetragene Sammlung von Texten, Drohbriefen, Erfahrungsberichten, einem Interview mit einem leitenden Polizisten, sowie Gastbeiträgen anderer Autor:innen - darunter ein Landshuter Chefarzt, der Journalist Karl Stankiewitz und Hans Well.

„Du gehörst auf den Schlachthof“ ist eine der Beschimpfungen, die Kommunalpolitiker:innen an ihren Infoständen zu hören bekommen. Sie werden körperlich bedrängt, beschimpft und mit Vergewaltigung bedroht. Sogar auf Parteibüros wurden Schüsse abgefeuert In vielen Fällen wollen die Betroffenen anonym bleiben. Die Einschüchterung funktioniert. Der bayerische Landesvater und sein Stellvertreter werden ihrer Verantwortung nicht gerecht und gießen dabei in vielfältiger Weise noch Öl ins Feuer, so das Fazit von Springer und Schweiger. Der bayerische Ministerpräsident warf den Betroffenen „Mimosenhaftigkeit“ vor.

Kerstin Schweiger signiert Bücher im stehen
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Auch der Andrang am Büchertisch war enorm. Mitherausgeberin und Ideengeberin Kerstin Schweiger beim Signieren Ihres Buches.

In ihrer Begrüßung beschrieb die Stadträtin Dr. Stefanie Wehner die Veränderungen am Wahlstand in den letzten 20 Jahren in wenigen Worten. Anfangs wurden wir belächelt, nach Fukushima ernst genommen und jetzt erleben wir Feindseligkeit und tätliche Angriffe. Der Tonfall im Stadtrat ist rauer geworden, sogar im beschaulichen Passau.

Ein rechtes Netzwerk um die AfD verschiebt die Grenzen des Sagbaren jenseits von Gesetz und Anstand. Ein permanentes Bombardement aus Hetze, Verdrehungen und Lügen in den Sozialen Netzwerken gewöhnt die Menschen an Hetze. Die Gleichgültigkeit nimmt zu. 

„Es ist keine Meinung, wenn ich hetze, das ist Verführung der Leute“, machte Springer bei der anschließenden Diskussion im Evangelischen Zentrum deutlich. Er forderte klare Kante gegen Demokratiefeinde zu zeigen. „Wer bei den Braunen mitläuft, bekommt braune Flecken.“

Sein Appell an diesem Abend: „Jetzt ist es an der Zeit, wo wir aufstehen müssen… noch müssen wir für Widerspruch keine Helden sein.“
Text und Fotos: Hubert Mauch