Emmausgang auf den Lusen

Gruppenbild der Emmauswanderer auf dem Lusen
Bildrechte Neumann-Beiler

Ein Weg, der Herz und Gemeinschaft wärmte.
Noch lag die Dunkelheit über dem Bayerischen Wald, als sich am Ostermontag um 6 Uhr früh zahlreiche Gläubige auf den Weg machten – hinaus in die Stille, hinein in die Tradition der Emmauswanderung. Der Leitgedanke „Da berühren sich Himmel und Erde“ begleitete sie vom ersten Schritt an. Unter der Führung von Jugendseelsorger Johannes Geier, Diakonin Gabi Neumann-Beiler und Waldführer Richard Buchner begann eine spirituelle Reise, die nicht nur über den teils vereisten Weg zum Lusen führte, sondern auch mitten hinein in die eigene Lebens- und Glaubensgeschichte.

Schon an der ersten Station wurde spürbar, wie sehr diese Wanderung Menschen verbindet. Diakonin Gabi Neumann-Beiler erinnerte daran, dass die Jünger auf dem Weg nach Emmaus nicht allein waren – ein Fremder ging mit ihnen, hörte zu, trug mit. Nicht alleine auf dem Weg zu sein, das erlebte man dann auch auf der kommenden Wanderung, gestärkt durch Gebete und Segensworte.

An der zweiten Station spürten die Wandernden in einer Meditation mit Johannes Geier der Frage nach, wie Verstehen entsteht und wie Worte Türen öffnen. Das Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ erfüllte den Wald und ließ die Gruppe noch enger zusammenrücken.

An der Quelle wurde die Szene des Brotbrechens lebendig. Ein Stück Brot wurde geteilt, betrachtet – und mit einem persönlichen Dankwort verbunden. In diesem einfachen Ritual lag eine tiefe Kraft: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen teilen – Zeit, Brot, Gedanken, Hoffnung. Ein Segenswort erinnerte daran, dass Frieden und Liebe oft im Kleinen beginnen. Waldführer Richard Buchner erzählte anschließend über die Bedeutung des Wassers im Nationalpark – Wasser als Lebensquelle, als verbindendes Element zwischen Natur und Mensch.

Beim Lusenschutzhaus schließlich ging es um den Moment des Erkennens. Wie die Jünger, deren Herzen brannten, erhielten auch die Teilnehmenden eine kleine Kerze – Symbol für das innere Feuer, das Mut macht, aufzubrechen und weiterzugeben, was man erfahren hat. In einer gemeinsamen Zusammenfassung wurde deutlich: Die Emmausgeschichte ist keine ferne Erzählung. Sie ist ein Spiegel unseres Lebens – mit Zweifeln und Hoffnungen, mit Zuhören und Erkennen, mit Gemeinschaft und Neubeginn. Mit einem gemeinsamen Segenswort endete die spirituelle Wanderung: „Der Herr begleite dich auf allen Wegen. Er schenke dir Augen, um zu erkennen, Ohren, um zu hören, Hände, um zu teilen und ein Herz, das brennt vor Liebe.“

Zum Abschluss waren alle ins Gemeindehaus nach St. Oswald eingeladen. Bei einem gemeinsamen Frühstück klang die Emmauswanderung aus – erfüllt von Begegnungen, Gesprächen und dem Gefühl, dass an diesem Morgen tatsächlich Himmel und Erde einander berührt haben. Text und Foto: Gabi Neumann-Beiler