Durch Jesu Tod zum Leben

Karfreitag St. Matthäus
Bildrechte Dekanat/Mauch

Die Matthäus-Passion von Jakob Meiland als Quell der Hoffnung und des Trostes an Karfreitag in der Stadtpfarrkirche Passau-St. Matthäus.

„Aber Jesus schrie abermal laut und verschied“ mit diesen gesungenen Worten endete am Karfreitag, 29. März die Matthäus-Passion zur Sterbestunde Jesu in der Passauer Stadtpfarrkirche. Die andächtige Stille die Kirchenmusikdirektor Ralf Albert Franz durch sein Innehalten entstehen ließ, machte die Wucht der zuvor gehörten Passion im Nachklang umso spürbarer. 
Im Zentrum dieser Karfreitagsandacht stand die Verkündigung durch Musik: Unter der Leitung von Ralf Albert Franz erklang die Matthäus-Passion aus dem Jahre 1570 von Jakob Meiland (1542-1577) bravourös dargeboten von den Solisten Matthias Deger (Evangelist), Bernhard Forster (Jesus), Claudia Bauer (Magd, Pilati Weib, Propheta) und dem Kammerchor St. Matthäus. 

Solisten
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Vor dem Chor stehend die Solisten (v.l.n.r.) Matthias Deger, Bernhard Forster und ganz rechts Claudia Bauer.

Ein wesentliches Element der Matthäus-Passion, so Ralf Albert Franz sei die kompositorisch gelungene Umsetzung eines normal fließenden Sprachduktus. „Man hat das Gefühl, da ist nichts verkünstelt“. Im psalmodischen Verfahren wird der Text des Evangelisten Matthäus in vier Teilen gesungen und ist eine Herausforderung für die Solisten. Diese Art von „Erzählgesang“ mit nur wenigen Tönen, langen Rezitationstönen und Kadenzen erfordert höchste Konzentration und wurde von den Solist*innen eindringlich dargestellt. 


Das Erzählerische wird immer wieder durch sogenannte Turba-Chöre unterbrochen, die der Komponist und Ansbacher Hofkapellmeister Jakob Meiland vor nunmehr 454 Jahren erstmals einsetzte. Damit beziehe er das Volk als Handelnde mit ein und treibe die Kreuzigungsgeschichte voran, so Kantor Franz. Dem Kammerchor St. Matthäus gelang diese Rolle des Volkes, der Soldaten, der Menge in hervorragender Weise.

Dekan Jochen Wilde am Karfreitag
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In seiner Hinführung zur Passionsgeschichte bezeichnete Dekan Jochen Wilde, der auch die Betrachtungen zwischen den vier Teilen der musikalischen Aufführung beisteuerte, die Worte des Evangelisten Matthäus als „Schlüsseltext abendländischer Frömmigkeit und Kultur, weil sie das Leiden Christi als Offenbarung Gottes zum Heil der Welt vor Augen führt“. Matthäus mit seiner Erzählung und Meiland mit seiner Musik zeigten, dass von dem Gekreuzigten Heil und Leben ausgehe. Da werde Liebe spürbar „Liebe, so stark wie der Tod oder gar stärker noch…!“
Text und Fotos Hubert Mauch